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Sammler und Jäger

“Dreimal umziehen ist wie einmal abgebrannt” - lautet ein Sprichwort. Ja, dass kann ich durchaus nachvollziehen. Die Möbel der alten Wohnung passen nicht richtig in die neue, weil die Räume anders geschnitten sind. Die Gardinen passen überhaupt nicht, weil die Fenster völlig andere Größen haben. Und einige Möbel kann man einfach nicht mehr mitnehmen, weil sie ein erneutes Auf- und Abbauen nicht überstehen würden. Und so zieht man ein: Mit der Hälfte der Möbel und ohne Gardinen. Was aber zu meiner Verwunderung nie weniger wird, ist die Anzahl der Kisten mit altem Plunder, die mit umziehen. Teilweise habe ich diese Kisten in meiner alten Wohnung noch nicht einmal ausgepackt. Na wie praktisch, da habe ich mir ja das lästige Einpacken gespart. Wenn Freunde und Bekannte mir den gut gemeinten Rat geben, ich solle mich doch endlich mal von einigen Dingen trennen, schüttele ich empört den Kopf: “Da hängen schließlich Erinnerungen dran! Erinnerungen an vergangene Zeiten und so. Und außerdem ist die Hose doch gar nicht so schlecht. Die kann man nochmal tragen. Und die Mode kommt ja immer wieder. Das wird bestimmt nochmal modern. Und das kann ich auch noch brauchen. Und das - nein, dass habe ich von meiner mittlerweile verstorbenen Oma geschenkt bekommen. Das geb’ ich nicht her.”

Und so stapeln sich die Umzugskartons in meiner Wohnung und mich beschleicht die wage Vorahnung, dass ich niemals genug Schränke habe, um den ganzen Plunder in meiner neuen Wohnung unterzubringen. Nicht einmal dann, wenn ich nicht die Hälfte meiner Einrichtung hätte wegschmeißen müssen.

Und häufig kommen in solchen Kisten ja auch ungeahnte Schätze wieder zutage. Naja, Schätze vielleicht weniger, aber auf jeden Fall Kuriositäten und Überraschungen. Der Mensch ist eben ein Jäger und ein Sammler. Und zumindest Sammler trifft in meinem Fall den Nagel auf den Kopf. Aber so langsam kehrt bei mir die Erkenntnis ein, dass es sich bei meinen Kisten mehr um Ballast denn um Schätze handelt. Und wenn ich es mal rational betrachte, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mein Schulheft aus der 4. Klasse jemals wieder benötige, nicht sehr hoch. Und wenn ich doch einmal dringend Wissen aus der 4. Klasse im Rechnen benötige, könnte ich auch auf ein Lexikon vertrauen oder das Ganze einmal Googeln. Und ob ich wirklich Pullover aufheben sollte, die mir an den Ärmeln zu kurz sind, ist auch eher fraglich. Selbst abnehmen würde in einem solchen Fall nichts bringen, da davon meine Arme ja nicht kürzer werden. Also sehe ich den Tatsachen ins Auge: 80% des Plunders benötige ich niemals wieder. Ich schleppe Kisten mit durch die Gegend, die eigentlich ins Altpapier, in die Altkleidersammlung oder auf den Müll gehören. Aber da Selbsterkenntnis ja der erste Schritt auf dem Wege der Besserung ist, bin ich wohl auf dem richtigen Weg. Ich werde mir also doch ein Herz fassen und mich von einigen meiner Kuriositäten und Raritäten trennen. Vielleicht. Mal schauen…

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