Fragen und Bitten
Man sagt ja immer, der Ton mache die Musik. Damit ist gemeint, dass nicht allein der Inhalt zählt, sondern auch, in welchem Ton einen Bitte, ein Befehl oder eine Frage vorgetragen wird. So wird harten Worten durch einen weichen, freundlichen Tonfall die Schärfe genommen. Umgekehrt kann eine als Bitte formulierte Frage durch einen harten Ton schon Befehlscharakter haben. Ich frage mich sehr oft, ob die Leute nicht merken, wie hart sie mit anderen Menschen umgehen und welchen Ton sie oft haben. Da werden aus Bitten und Fragen Befehle und aus Informationen werden oberhafte Belehrungen. Merken die Menschen dies wirklich nicht? Oder ist die Bitte tatsächlich nur oberflächliche Tarnung? Vergreifen sich die Menschen ungewollt und unbewusst im Ton oder ist der Ton bewusst so gewollt? Ich habe die Feststellung gemacht, dass man mit einem höflichen und freundlichen Ton weitaus mehr erreicht als mit Unhöflichkeit und Druck. Wenn ich bitte, lasse ich meinem Gegenüber die Wahl - er kann entscheiden, ob er meinem Wunsch entspricht oder nicht. Wenn ich grundlos etwas anordne oder befehle, dann setze ich den anderen unter Druck. Und Druck erzeugt Gegendruck. Die Wahrscheinlichkeit, dass er versucht, sich diesem “Befehl” zu entziehen, ist hoch. Wenn ich aber Bitte und mein Gegenüber das Gefühl hat, dass ich ihn schätze und er mir einen Gefallen tun kann, dann ist auch die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man meiner Bitte entspricht. Es gibt das Sprichwort: Mit Honig fängt man mehr Fliegen als mit Essig. Und ich habe in meinem Leben die Erfahrung gemacht, dass dies in fast allen Fällen zutrifft.
Autor: Snowwhisper








