Die Bedeutung der Imagination
21. Oktober 2010Autor: Snowwhisper
Mentaltraining ist ja mittlerweile in aller Munde. Die Einsatzgebiete sind vielfältig. Und im Leistungssport ist Mentaltraining auch schon eine Selbstverständlichkeit. Aber im privaten Bereich fehlt den meisten noch der Bezug hierzu. Vor allen Dingen tun sich viele damit schwer, ihre Vorstellungskraft gezielt einzusetzen. Aber grundsätzlich ist fast jeder Mensch in der Lage, Mentaltraining anzuwenden. Und das tun auch fast alle regelmäßig, nur sind sie sich dessen nicht bewusst.
Vielleicht erinnern Sie sich noch an die letzte wichtige Prüfung? Als Sie voller Herzklopfen und mit weichen Knien zur Prüfung gefahren sind. Und wie Sie schon beim Gedanken an die Prüfung nervös wurden und sich in den schillerndsten Farben ausgemalt haben, was alles schiefgehen könnte? Hier haben Sie Ihre Vorstellungskraft, Ihre Imagination genutzt.
Bedenken Sie nur einmal, wie Sie sich gefühlt haben, als Sie das letzte Mal einen Albtraum hatten. Sie sind aufgewacht, das Herz raste, der Mund war trocken, vielleicht waren Sie vor Aufregung sogar naß geschwitzt. Ihre Gedanken, in diesem Fall Ihre Träume, haben dafür gesorgt, dass Ihr Körper entsprechende physische Reaktionen hatte, obwohl Sie dies alles nicht wirklich erlebt haben. Der Albtraum fand nur in Ihrer Vorstellung statt und trotzdem hat Ihr Körper real reagiert. Aber es ist auch möglich, solche körperlichen Reaktionen ohne Traum und Schlaf herbeizuführen. Hierzu sind ein wenig Übung und Geduld nötig.
Imagination bedeutet, sich eine Situation so vorstellen zu können, dass Ihr Körper so reagiert, als erlebe er die Situation gerade wirklich. Alle Sinne werden angesprochen.
Ich möchte hierzu ein schönes Beispiel nennen, das mir eine Klientin erzählte. Diese Klientin meinte, sie sei für Mentaltraining absolut nicht geeignet. Sie habe keine Vorstellungskraft und habe schon in der Schule über keinerlei Fantasie verfügt. Ich fragte sie, ob sie mir einen ihrer Träume schildern könne, der sie sehr bewegt habe. Sie sollte ihn mir so schildern, wie sie ihn erlebt hatte. Sie erzählte mir dann von einem Traum, in dem Sie träumte, eine Katze zu sein. Dieser Traum sei sehr real gewesen und sie könne sich, obwohl er bereits Monate her sei, immer noch genau an die Details erinnern. Ich bat sie, mir ihren Traum so detailgetreu wie möglich zu erzählen:
Es war dunkel. Aber obwohl es dunkel war, konnte ich relativ gut alles in meiner Umgebung wahrnehmen. Ich fühlte, wie sich der Gehweg unter meinen Pfoten anfühlte. Der Gehweg war noch warm vom Sonnenlicht des Tages und gab eine angenehme Wärme ab. Ich ging weiter die Straße entlang, alles war ruhig. Irgendwo hinter mir konnte ich eine Maus fiepen hören. Aber das interessierte mich heute nicht, ich ging weiter. Ich fühlte, wie der warme Wind der lauen Sommernacht über mein Gesicht strich und über meine Tasthaare. Ich atmete tief ein und witterte einen interessanten Geruch. Dieser Geruch ließ mich meine Richtung ändern. Ich sprang auf eine Mülltonne und von der Mülltonne aus auf ein niedriges Vordach. Von dort aus wahr es wortwörtlich nur ein Katzensprung auf das Hausdach. Ich kletterte bis auf den Giebel und lief dort weiter. Die Häuser standen so dicht, dass ich mühelos von einem Dach zum nächsten springen konnte. Ich fühlte den warmen Wind in meinem Fell, in meinem Gesicht. Es fühlte sich herrlich an. Ich setzte mich auf eines der Dächer und blickte in die Weite. Ich sah die Felder und Wiesen und die kleinen Gärten, die zu den Häusern gehörten. Ich hatte keine Sorgen, kein Ziel und auch keinerlei Verpflichtungen. ich saß einfach nur da, auf einem der Dächer, genoß die laue Nacht und den Geruch und fühlte mich frei. Es war einfach herrlich. Ich hatte keine Gedanken, keine Zweifel. Ich war einfach eine Katze und genoss die Sinneswahrnehmungen, die sich mir boten. Ich war regelrecht enttäuscht, als ich aufwachte. Ich muss noch sehr oft an diesen Traum denken.
Ich fragte sie daraufhin, ob sie in ihrer Vorstellung wieder das Gefühl des Windes und diesen Geruch herbei führen könne. Sie sagte, wenn sie sich genug konzentriere könne sie in etwa wieder alles so fühlen. Ich erklärte ihr, dass sie eine sehr starke Imagination habe. Sie müsse jetzt nur noch lernen, diese bewusst zu steuern. So, wie meiner Klientin, geht es vielen Menschen. Der Verstand und die Vernunft bestimmen unsere Gedanken. Wir müssen wieder lernen, auch die Fantasie und die Vorstellungskraft zu nutzen. Denn so können wir im Alltag entscheidende Kräfte mobilisieren. Allerdings müssen wir erst wieder lernen, diese Fähigkeiten bewusst zu nutzen. Wir müssen erst wieder lernen, wie es ist, unsere Vorstellungskraft gezielt zu unserem Vorteil einzusetzen. Und hier hilft nur eins: üben, üben, üben. Vermutlich werden die ersten Versuche frustrierend sein und nicht das gewünschte Ergebnis erzielen. Aber wenn man hartnäckig bleibt und weiterhin daran arbeitet, werden sich erste Erfolge einstellen. Nutzen Sie einfach die Kraft der positiven Imagination. Stellen Sie sich vor, wie die optimale Zielsitution aussieht, was Sie tun müssen, um dorthin zu gelangen. Benutzen Sie dafür alle Sinne. Negative Gedanken und Gefühle müssen umgelenkt werden in etwas positives, konstruktives. Dann kann Ihre Vorstellungskraft Ihnen helfen, Ihrem Wunsch oder Ziel ein ganzes Stück näher zu kommen.


