Achtsamkeit und die Frage nach dem Warum?
Wenn geliebte Geschöpfe schwer erkranken oder sterben, dann bleibt immer die Frage nach dem Warum. Alles habe einen Sinn im Leben, nichts geschehe ohne Grund, postulieren Gläubige. Aber wenn Menschen oder Tiere leiden und schließlich sterben, erschließt sich uns dieser Grund meist nicht. Menschen sehen Erkrankungen oft als Gottesstrafe an. Bei einer Krebserkrankung denken sie, sie speziell wurden ausgewählt, von dieser furchtbaren Krankheit befallen zu werden. Zum körperlichen Leiden kommt dann auch noch die Psyche. Tiere sind da anders. Tiere beherrschen unbewusst das Prinzip der Achtsamkeit. Als wir vor einer Woche die Diagnose bekamen, dass unser geliebter Wellensittich Piti Leberkrebs habe, waren wir fassungslos. So ein lebenshungriges, quirliges Geschöpf wird so schnell von uns gehen. Zwischen Diagnose und dem Anschlagen der Medikamente vergingen drei Tage. In diesen drei Tagen fragten wir uns oft, ob wir ihn nicht einschläfern lassen sollten. Der Kampf gegen den Krebs ist aussichtslos, wir wollten Piti unnötiges Leid ersparen. Dann schlugen die Medikamente an und sein Zustand verbesserte sich zusehends. Während Piti völlig achtsam ist und sich einfach nur freut, dass es ihm besser geht, sind wir Menschen da ein wenig undankbarer. Statt uns zu freuen, dass wir dank der Medikamente noch ein bisschen Zeit bekommen haben und dass es Piti gut geht, hadern wir damit, dass er dennoch bald gehen müssen wird. Statt uns zu sagen: Heute geht es Piti gut, heute lebt er, was morgen ist, können wir nicht beeinflussen, vergleichen und bewerten wir. Piti hat Krebs. Aber trotzdem geht es Piti gut. Denn er bewertet nur das Hier und Jetzt. Und Hier und Jetzt hat er keine Schmerzen aber einen großen Hirsekolben vor dem Schnabel. Und das zählt!








