Selbstbewusstsein hat nichts mit der Größe zu tun
Dass Selbstbewusstsein nichts mit der Größe zu tun hat, bzw. nichts zu tun haben sollte, ist eine schöne Theorie. Und wir haben den lebenden kleinen Beweis, dass man ganz schön selbstsicher und cool sein kann, auch wenn man gerade mal 24 g auf die Waage bringt und immer der Kleinste ist.
Seit ca. 6 Wochen wächst in unserem Büro ein kleiner Buchfinkenzögling auf, den wir ca. 3 Tage alt und noch ohne Federn aus den Klauen der Nachbarskatze gerettet haben. Brutus, wie wir den kleinen unbefiederten und hilflosen Zwerg genannt haben, ist vielleicht äußerlich klein und zerbrechlich. Was seinen Mut angeht, da ist er ein ganz Großer! Brutus fürchtet sich weder vor Katzen oder Hunden, noch vor Menschen. Er weiß, was er will und macht seinem Gegenüber schnell klar, wer den Ton angibt: Er! Schon früh musste er lernen, dass nur ein Vogel mit einem starken Willen überlebt. Als einziger Überlebender eines Elsternangriffes, bei dem seine Geschwister und die Mutter getötet wurden, lag er hilflos unter einer Tanne. Er konnte weder stehen noch laufen. Die zweite Katastrophe nahte in Gestalt der Nachbarskatze. Aber nach soviel Pech hatte Brutus dann endlich wieder Glück: Die Katze kreuzte den Weg unseres Chefs, der den kleinen Brutus sprichwörtlich in letzter Sekunde aus den Fängen der Katze befreite. Er war unterkühlt und hungrig, aber zum Glück sahen wir keine äußeren Verletzungen an ihm. Obwohl die Prognose für Brutus sehr schlecht stand und auch der Tierarzt nicht glaubte, dass Brutus es schaffen könne, hat er gekämpft und uns jeden Tag gezeigt, dass er leben will. Mittlerweile kann Brutus fliegen und das macht er natürlich gerne und ausgiebig. Außerdem singt er sehr schön. Im Büro ist nichts vor ihm sicher. Wir müssen ständig ein Auge auf ihn haben, sonst sind auch die Butterbrote der Mitarbeiter in Gefahr. Sein Selbstbewusstsein ist enorm. Wenn er, um Sachen zu lernen wie Körner enthülsen, zu den Wellensittichen in die Voliere darf, hat er das Sagen. Die Wellis sind zwar verdutzt, lassen ihm aber alles durchgehen. Genauso unbeeindruckt zwickt er dem Hund in die Nase, wenn dieser zu Nahe an den Käfig kommt. Wenn es aber Abend wird, dann wird aus Brutus dem Wilden, Brutus der Schmuser. Er kuschelt sich auf die Schulter seines Retters und schläft dort, dicht an die Wange gekuschelt und leise piepend ein. Wir werden ihn, sobald er ganz selbstständig ist, in eine große Außenvoliere setzen. Dort soll er dann langsam “entwöhnt” werden und fit für die Freiheit gemacht werden. Ein Foto von Brutus als Jungvogel gibt es hier.









Am 2. Juli 2009 um 03:16 Uhr
Prima erfrischender Beitrag gefällt mir!
Euer kleiner Buchfink scheint ja wirklich vor Selbstbewusstsein nur so zu strotzen und hat das Training von Selbstliebe und Selbstvertrauen nicht nötig wie so manch einer von uns Menschen scheinbar.
http://www.lernen-fuehlen-verstehen.de/Selbstliebe.html